2023
Gemeinsam entscheiden – auch, was man nicht will
Zwei Tage Konvent – und die Erkenntnis, dass ein klares Nein das Ja erst schützt.
Im September 2023 setzte sich der ganze Konvent zwei Tage lang zusammen, um über eine einzige Frage zu sprechen: Was könnte in einem Haus, das zu groß geworden ist, künftig neben dem klösterlichen Leben Platz finden?
Es war kein Vortrag und kein fertiger Plan, sondern ein gemeinsames Nachdenken – und genau das macht diesen Schritt so wichtig.
Vom Gedanken zur Struktur
Damit aus guten Absichten ein belastbarer Prozess wurde, hatte die Gemeinschaft zuvor eine Form geschaffen: regelmäßige Gespräche im Konvent, ein Zukunftsteam aus mehreren Schwestern, begleitet von einer externen Prozessbegleitung.
Früh wurde auch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege einbezogen. Denn wer ein Denkmal verändern will, holt die Denkmalpflege nicht als Hürde am Schluss, sondern als Mitdenkende von Anfang an dazu.
Offenheit und Grenze zugleich
Ein Kloster, das sich öffnet, steht vor Herausforderungen: Zu viel Offenheit verwischt die eigene Identität, zu wenig erstickt jede Erneuerung. Tradition im Wandel. Im Workshop wurden Spannungsfelder nicht geglättet, sondern benannt und ausgehalten.
Offen zeigte sich die Gemeinschaft für Handwerk, Seelsorge, Forschung und „Kloster auf Zeit“.
Ebenso klar wurde benannt, was nicht infrage kommt: kein Hotel, keine allgemeine WG, keine Eventnutzung.
Das Nein schützt das Ja.
Warum das Ausschließen Klarheit ist
Die Gemeinschaft hat nicht nur Möglichkeiten gesammelt, sondern Grenzen gezogen. Wer weiß, was den Ort verletzen würde, kann sich dem Neuen umso gelassener öffnen. Getragen wurde all das von einer Grundhaltung: Diesen Weg könne und müsse man nur gemeinsam und miteinander gehen.
Was sich verändert hat
Der Workshop vertiefte bei allen das Gespür dafür, welche Richtungen passen und welche nicht. Diese gemeinsame Klärung gab dem späteren Prozess Legitimität und Stabilität.
Übertragbare Frage
Wie findet eine Gemeinschaft gemeinsam heraus, was sie ausdrücklich nicht will – und warum ist dieses klare Nein am Ende genauso wertvoll wie das Ja?
Quellen · Förderpräsentation NPS/BBSR; Bedarfszusammenstellung (März 2026). Förderbetrag im Quelldokument als „3,3 Mio.“ angegeben.
