die Zeit vor der Förderung
Als das Kloster anfing, über seine Zukunft nachzudenken
Wie aus einer offenen Frage ein Weg wurde — lange vor der ersten Förderungsmaßnahme.
Lange bevor Fördergelder, Gutachten und Pläne ins Spiel kamen, hatte die Abtei St. Hildegard längst begonnen, sich offen zu fragen, wie es weitergehen soll. Diese Übersicht erzählt, wie aus dieser Frage ein Weg wurde.
Ein Haus, das größer ist als seine Gemeinschaft
Man muss den Ort kennen, um die Aufgabe zu verstehen. Die Abtei wurde 1904 gebaut – für rund 100 Schwestern. Heute leben hier etwa 30, und es werden voraussichtlich weniger. Ein Haus dieser Größe lässt sich aus Klosterladen, Weingut, Gästehaus und Werkstätten allein nicht dauerhaft erhalten.
Daraus hätte Resignation werden können. Stattdessen wurde daraus eine Entscheidung: das Haus nicht schrumpfen zu lassen, sondern es zu öffnen – einen geschützten Bereich für das Leben der Gemeinschaft zu schaffen und die übrigen Räume nach und nach mit neuem Leben zu füllen. Aus einem zu großen Haus sollte ein „Haus des Lebens“ werden.
Erst der Alltag, dann der Plan
Das Bemerkenswerte ist, wie früh und wie unaufgeregt das begann. Zuerst im Alltag: Mit einem integrativen Café, dem Klosterladen und dem Gästehaus öffnete sich die Abtei längst nach außen, bevor irgendjemand von „Transformation“ sprach. Die Öffnung war gelebt, ehe sie geplant war.
Gemeinsam mit einer Prozessbegleitung entwarf die Gemeinschaft 2023 einen Weg in überschaubaren Schritten – erst eine gemeinsame Idee, dann die Finanzierung, dann die passenden Mitnutzungen, dann ein Gesamtkonzept. Und sie fragte zuerst nach innen: Was ist uns heilig? Welche Räume bleiben der Stille vorbehalten, wo darf Begegnung entstehen?
Aus einem Kloster, das auf den Wandel reagierte, wurde eine Gemeinschaft, die ihn gestaltet.
Was diese Zeit so besonders macht
Es wäre leicht gewesen, einen Investor zu suchen und das Problem von außen lösen zu lassen. Die Gemeinschaft hat das bewusst nicht getan. Sie wollte Unterstützung, aber keine fremden Interessen im eigenen Haus – und hat lieber den langsameren Weg gewählt, der die Selbstbestimmung wahrt.
Dass am Ende dieser Jahre eine öffentliche Förderung möglich wurde, lag genau daran: Die Förderung traf nicht auf ein leeres Blatt, sondern auf eine Gemeinschaft, die ihre Zukunft schon in den Blick genommen hatte.
Und dann?
Am Ende dieser Zeit standen drei Fragen: Wie lässt sich das alles finanzieren, ohne die eigene Linie aufzugeben? Welche neuen Nutzungen passen wirklich zu diesem Ort? Und wie wird aus einer Idee ein belastbares Konzept? Wie es damit weiterging, erzählt die Jahresübersicht ab 2024.
Quellen · Interne Bestandsaufnahme „Situation St. Hildegard“ (Dez. 2021); Statuspapier „Die Situation der Abtei St. Hildegard im Jahr 2024“. „Seit 2010 unterwegs“ ist eine belegte Selbstaussage der Gemeinschaft.






